Stative für ein wackelfreies Fotografieren

In vielen Situationen ist es sinnvoll auf ein Stativ zurückzugreifen. Doch welche Stative gibt es? Welches Fotostativ ist für welche Situation geeignet? Worauf ist beim Stativkauf zu achten?

Mit Stativen kann man sich das Leben sehr viel einfacher machen. Sobald sich die Lichtsituation verändert oder man bestimmte Effekte erzeugen möchte, sollte man auf ein Stativ zurückgreifen. Dabei wird generell erst einmal in zwei Kategorien unterschieden:

  • Einbeinstativ
  • Dreibeiniges Fotostativ

Das Einbeinstativ besteht, wie der Name vermuten lässt, aus nur einem Standbein. Damit kann das Einbeinstativ zwar nicht alleine stehen, ist aber dennoch sehr praktisch. Zum Beispiel kann man das Einbeinstativ mit in ein Konzert nehmen und es über die Köpfe der anderen Konzertbesucher halten. Oder wenn man unterwegs ist, kann man das Einbeinstativ an eine Wand lehnen oder auch in bestimmten Situationen die Fotokamera über Kopf hängen lassen. Zusammengefasst erweitert ein Einbeinstativ die eigene Reichweite.

Im Gegensatz dazu ist das Dreibeinstativ ein selbststehendes Stativ und wird eingesetzt, sobald eine längere Belichtungszeit erforderlich ist. Ebenfalls ist dieses Fotostativ unerlässlich für HRD-Fotografie. Auf HDR gehe ich im Kapitel Spezielle Situationen genauer ein. Das Dreibeinstativ ist ein Muss für die Fotografie zur Blauen Stunde und bei der Nachtfotografie.

Dreibeinstativ mit verstellbarem Kopf und abnehmbarer Verbindungsplatte zur Kamera

Dreibeinstativ mit verstellbarem Kopf und abnehmbarer Verbindungsplatte zur Kamera

Ein dreibeiniges Fotostativ gibt es in verschiedenen Größen, beispielsweise auch als kleines Tischstativ. In der Größe kann es jedoch nicht jede Kamera halten. Sobald das Objektiv zu schwer ist, zieht das Gewicht die Fotokamera runter und somit geht die Wirkung vom Tischstativ verloren. Ist der Fotoapparat und das Objektiv nicht so schwer und das Tischstativ funktioniert, kann man es hervorragend für Nahaufnahmen nutzen. Ein ganz einfaches aber dennoch effektives Hilfsmittel ist das Stativkissen. Wenn man die Kamera auf den Boden stellen möchte, kann man sie mit einem Stativkissen stabil hinlegen und dennoch den gewünschten Ausschnitt erhalten. Stativkissen kann man sogar selber herstellen. Als Füllmaterial gehen Kirschkerne Linsen etc.

Auf Gorilla-Manier: Das Gorillastativ

Eine weitere Sonderform von dem dreibeinigen Fotostativ ist das Gorillastativ. Das Besondere an diesem Fotostativ ist, dass es nicht alleine steht. Dafür hat dieses Stativ flexible Beine, mit denen man das Gorillastativ um Gegenstände herum wickeln kann. Das kann ein Ast sein, das Brückengeländer, die Armstütze eines Stuhls oder einer Bank oder auch ein Laternenpfahl. Egal was einem in den Weg kommt, das Gorillastativ klammert sich überall fest, daher auch der Name, und ermöglicht ganz andere Blickwinkel auf das gewünschte Motiv.

Was ist beim Kauf von einem Stativ zu beachten?

Zuerst ist zu klären, wofür möchte man das Stativ verwenden? Wenn nur die Reichweite verlängert werden soll, ist das Einbeinstativ ausreichend. Wenn das Stativ allerdings für Langzeitbelichtung, Panoramafotografie oder HRD-Aufnahmen usw. benötigt wird und es daher notwendig ist, dass das Stativ alleine steht, dann eignet sich nur ein dreibeiniges Fotostativ. Wer lieber kreativere Blickwinkel wünscht, der nimmt am besten das Gorillastativ mit.

Vor allen Dingen beim dreibeinigen Fotostativ sollte beim Einkauf darauf geachtet werden, dass es mindestens so weit ausgefahren werden kann, bis der Fotoapparat auf Augenhöhe ist. Auch die Stabilität ist wichtig. Vollausgefahren sollte das Stativ guten Stand bieten. Das kann man schon direkt im Laden ausprobieren. Auch der Untergrund, auf dem man plant das Stativ zu nutzen, sollte bei der Wahl des Stativs berücksichtigt werden. Je unwegsamer das Gelände, je mehr Halt sollte das Fotostativ erzeugen und je kräftiger sollten die Stativbeine sein. Allerdings ist auch das Material mittlerweile immer besser geworden und so können Stative bspw. mit schmalen Stativbeinen aus Carbon genauso viel Stabilität geben, wie dickere aus einem anderen Material. Jedoch kosten solche Stative dann auch gleich wieder mehr.

Bei einem Fotostativ ist auch das Gewicht entscheidend. Auf Reisen will man sich nicht ständig abmühen müssen und schweres Gepäck mit sich rumschleppen. Aus diesem Grund ist das Material des Stativs entscheidend. Carbon und Aluminium sind gute Varianten, während Stative aus Plastik vermieden werden sollten, da diese schnell instabil werden.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Kopf des Stativs. Wie leicht lässt sich die Kamera aufstecken? Ist die Verbindungsplatte abnehmbar oder muss die Fotokamera direkt auf das Stativ montiert werden? Wie einfach ist der Zugang zu den Schrauben, um den Fotoapparat fest zu machen? Direktmontagen führen meistens eher zu einer Verknotung der Finger statt zu einer stabilen Montage der Kamera auf dem Stativ.

Stativkopf verstellbar mit abnehmbarer Montageplatte

Stativkopf verstellbar mit abnehmbarer Montageplatte

Nach der Montage des Fotoapparates auf dem Fotostativ ist jetzt zu klären, wie gut / leicht / einfach lässt die Kamera auf dem Stativ bewegen? Wie gut kann die Fotokamera gekippt, gedreht und fixiert werden? Üblicherweise sind es zwei oder mehr Knöpfe bzw. Hebel, an denen die Einstellungen vorgenommen werden können. Wichtig ist auch, ob die Kamera auf dem Stativ auch um 90% seitlich geneigt werden kann, um auch im Hochformat zu fotografieren. Ist der Winkel dann auch tatsächlich 90% oder weniger?

Viele neue Stative haben einen Kugelgelenkkopf. Mit diesem lässt sich sehr einfach der Fotoapparat in alle Richtungen drehen und ist daher sehr gerne genommen. Wichtig ist bei der Verwendung des Kugelgelenkkopfs, dass er in jeder Stellung fixiert werden kann, sodass sich die Kamera beim Fotografieren nicht unabsichtlich bewegt. Die Nutzung von einem Kugelgelenkkopf ist meistens etwas gewöhnungsbedürftig, da eine kleine Bewegung die Fotokamera sofort in mehrere Richtungen bewegt. Daher lohnt sich beim Kauf darauf zu achten, dass an dem Kugelgelenkkopf eine Wasserwaage idealerweise in zwei Richtungen direkt mit dabei ist.

Stativkopf mit eingebauter Wasserwaage

Stativkopf mit eingebauter Wasserwaage

Als letzter Punkt beim Kauf eines Stativs ist noch zu schauen, ob das Fotostativ über eine gute Tragemöglichkeit verfügt. Gibt es einen Griff, Gurt, Tragepolster an den Stativbeinen oder gar eine Tragetasche für das Stativ?

Genauso wichtig wie groß kann das Stativ ausgefahren werden, ist auch die Frage, wie klein kann das Fotostativ zusammengeklappt werden? Je kleiner und kompakter umso angenehmer lässt sich das Stativ transportieren. Es nimmt auf Reisen weniger Platz weg, was vor allen Dingen beim Fliegen kein unerheblicher Faktor ist.

Zusammengefasst hier noch einmal eine Übersicht, was beim Kauf von einem Stativ zu beachten ist:

 

  • Wofür wird das Stativ benötigt? Einbeinstativ oder dreibeiniges Fotostativ oder Gorillastativ?
  • Ist das Stativ mindestens bis Augenhöhe ausfahrbar?
  • Verfügt das Fotostativ über Stabilität und dennoch Leichtigkeit?
  • Wie ist die Art der Anbringung der Kamera an das Stativ?
  • Ist der Stativkopf flexibel und in jeder Stellung fixierbar?
  • Kann auch in Hochformat fotografiert werden?
  • Kann das Stativ zusammengeklappt werden?
  • Gibt es eine bequeme Tragemöglichkeit für das Fotostativ?

 

 

Mit diesen Punkten ist es ein leichtes sich das passende Stativ zu kaufen. Ob man ein Einbeinstativ oder ein dreibeiniges Fotostativ dann auf jede Fototour mitnimmt, hängt jedoch davon ab, was man vor hat zu fotografieren. Daher empfiehlt es sich, bevor man loszieht, sich zu überlegen, was man fotografieren möchte, sodass man sich nicht unnötig abschleppt.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak