Fotopraxis – Mit mehr Übung zu einem sicheren Umgang mit der Fotokamera

Sprüche wie „Übung macht den Meister“ und „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ stimmen in vielen Situationen, so auch beim Fotografien lernen. Daher kann ich allen nur empfehlen: üben, üben, üben. Wo und wie man üben kann, darüber soll es in diesem Kapitel gehen.

Bei der Fotopraxis sehe ich zwei große Richtungen:

  • Geführte Fototour
  • Ungeführte Fototour

Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile und es gibt keine richtige oder falsche Fotopraxis. Es hängt einzig und allein von euren Vorlieben und meistens auch vom Geldbeutel ab, welche Variante man bevorzugt.

Eine geführte Fototour ist im Allgemeinen mit mehreren Gleichgesinnten und einem erfahrenen Fotoguide, der beim Fotografieren Tipps wie beispielsweise zu Tiefenschärfe und Belichtungszeit und andere Hilfestellungen geben kann. In der Regel sind geführte Fototouren kostenpflichtig. Allerdings häufig mit dem Bonus, dass man Zugang zu einer interessanten Fotolocation erhält, in die man alleine nicht ohne weiteres reinkommt. Die Höhe der Kosten wie auch die Inhalte und mögliche Fotolocation, die in der Fototour enthalten sind, variieren von Anbieter zu Anbieter und von der Art und Länge der Fototour.

Tiefenschärfe an alten Maschinenteilen in der Eisfabrik Berlin

Tiefenschärfe an alten Maschinenteilen in der Eisfabrik Berlin

Welche Arten von geführten Fototouren gibt es?

Geführte Fototouren gibt es lokal in den meisten größeren Städten. Sie dauern durchschnittlich von 2 – 6 Stunden. Größtenteils werden die Fototouren unter bestimmte Themen gestellt, wie zum Beispiel Lost Places, Streetart, Hinterhöfe etc. Hierbei bewegt man sich durch die Stadt, aber man setzt einen Fokus auf themenpassende Motive und besucht immer wieder eine andere Fotolocation.

Neben der geführten Fototour gibt es auch Fotoworkshops. Auch ein Fotoworkshop kann unter einem bestimmten Thema stehen, allerdings dauert er üblicherweise einen ganzen Tag. Das kommt daher, dass sich ein Fotoworkshop im Normalfall in einen theoretischen und einen praktischen Teil gliedert. Im theoretischen Teil von dem Fotoworkshop werden Hintergrundinformationen gegeben, Tipps und Herangehensweisen aufgezeigt und so der praktische Teil richtig vorbereitet. Bei einem Fotoworkshop ist es ebenfalls möglich, dass im praktischen Teil wenigstens eine Fotolocation besichtigt wird.

Auch wenn ein Fotoworkshop meist länger dauert, als eine Fototour, ist der Fotoworkshop effektiver und von größerem Lerneffekt als eine Fototour. Ein Fotoworkshop ist für diejenigen geeignet, die ihre Kenntnisse vertiefen, einen sicheren Umgang mit den Kameraeinstellungen und tiefer in das Thema von dem Fotoworkshop eintauchen wollen. Fototouren dagegen sind eher für die Menschen geeignet, die eher neue Orte und Motive finden wollen oder eine außergewöhnliche Fotolocation besuchen wollen.

Als Sonderart von geführten Fototouren sind Fotoreisen zu sehen. Mit geführten Fotoreisen lernt man neue Länder kennen, ist mit anderen Fotobegeisterten unterwegs und man kann sich beim Fotografieren auch Zeit lassen, da auf einer Fotoreise das Land durch die Kamera entdeckt wird. Auch hier bietet sich immer wieder eine spannende Fotolocation, die bei normalen Urlaubsreisen vielleicht nicht zugänglich wäre. Normalerweise ist bei Fotoreisen keine ungeduldige Begleitung dabei und man muss auch nicht sofort weiterhetzen, sondern kann sich mit dem Motiv oder der Fotolocation länger Zeit lassen.

Nachteilig ist bei geführten Fototouren und Fotoreisen, dass es eine Agenda gibt, an die sich gehalten werden muss. Spontane Trips abseits der Wege während den Fotoreisen und Fototouren sind nur selten möglich. Außerdem muss man sich auf den Fotoreisen und den Fototouren der Mehrheit anpassen. Wer sich hier zu eingeengt fühlt, der ist mit einer ungeführten Fototour besser aufgehoben, um mehr Fotopraxis zu erlangen.

Was ist der Vorteil an ungeführten Fototouren?

Jeder kann sich für mehr Fotopraxis seine Kamera schnappen und einfach losfotografieren. Als erstes erreichbar ist das eigene Kiez. Wer mit offenen Augen durch die Straßen zieht, wird Motive ohne Ende finden. Auch ungeführt kann man sich selbst ein Thema vorgeben, unter dem man seine eigene Fototour stellen möchte und gibt es auch die Möglichkeit eigenständig die eine oder andere Fotolocation mit der Kamera zu erforschen. Und schon kann es mit der Fotopraxis losgehen.

Ebenso ist es problemlos möglich eine eigene Fotoreise zu organisieren. Ich selbst bin auf verschiedenen Fototouren bereits unterwegs gewesen und habe auch eigene Fotoreisen für mich organisiert. Davon erzähle ich auf den Seiten Fotopraxis in Berlin, Städtereise Kopenhagen und Fotoreise Irland und zeige auf, wie einfach man sich seine eigene Route festlegen kann, welche Erfahrungen ich gemacht habe, welche Fotoausrüstung ich dabei hatte und worauf zu achten war.

Wie kann man sich in noch mehr Fotopraxis üben?

Eine ganz simple Methode ist: Seht euch Bilder an, die euch gefallen und versucht sie, zu imitieren. Man fängt mit dem Kopieren von Bildern an. Nach und nach wird sich dann euer eigener Stil entwickeln und ihr werdet die Motive auf eure Art interpretieren.

Eine andere Art der Fotopraxis ist die Teilnahme an einem Fotomarathon. Diese Veranstaltung wird im Allgemeinen einmal im Jahr ausgerichtet und findet in mehreren europäischen und internationalen Hauptstädten statt. In Deutschland zum Beispiel gibt es den Fotomarathon in Berlin. Der Fokus bei einem Fotomarathon ist das Erstellen einer Fotoserie. Dazu wird pro Veranstaltung ein Thema vorgeben sowie 12 bzw. 24 Unterthemen, die alle in der chronologisch richtigen Reihenfolge aufgenommen werden müssen. Dazu gibt es einen zeitlichen Rahmen von meistens 12 Stunden und man erhält die Unterthemen auch nur stückchenweise in 4er Blöcken. An zwei Zwischenstationen gibt es jeweils die nächsten vier Themen. Solche Events machen viel Spaß, man sieht ganz neue Details einer Stadt und es ist ein guter Aufhänger für einen Städtetrip, da Fotomarathons auch in anderen Städten stattfinden.

Fotopraxis geführt oder ungeführt?

Das bleibt jedem selber überlassen. Bei geführten Fototouren und Fotoreisen hat man einen Guide, den man ggf. um Hilfe bitten kann und der Tipps zu Motiven gibt und einem Zugang zu einer bestimmten Fotolocation ermöglicht. Dazu ist man mit Gleichgesinnten unterwegs und sieht vielleicht etwas neues, was einem alleine vielleicht nicht aufgefallen wäre. Dagegen ist man alleine flexibler und man kann sich mehr Zeit lassen beim Fotografieren.

Auch in Fotovereinen oder Fotocommunities kann man seine Fotopraxis mit Gleichgesinnten vertiefen. Egal wofür man sich entscheidet, wichtig ist nur, dass man regelmäßig fotografiert, um so sicherer im Umgang mit der Kamera zu werden und mehr Fotopraxis zu erlangen.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak