Belichtungszeit – Das Spiel mit der Zeit

Wie wir bereits wissen, bedeutet eine längere Belichtungszeit, dass mehr Licht auf den Sensor fällt und dass das Bild heller wird bzw. bei einer kürzeren Belichtungszeit, dass weniger Licht einfällt und das Bild dunkler wird. Aber wie kann man die Belichtungszeit für die künstlerische Gestaltung des Bildes nutzen? Die Antwort ist: vielfältig!

Was bedeutet der S / Tv Modus?

Die Belichtungszeit manuell einstellen kann man im S / Tv Modus (S für Nikon, Sony, Panasonic etc. / Tv für Canon Kameras). Die anderen Kameraeinstellungen wie zum Beispiel die Tiefenschärfe wird von der Kamera automatisch angepasst. Je nachdem wie viel Licht auf den Sensor fällt kann ein Bild auch schnell überbelichtet (zu hell) oder auch unterbelichtet (zu dunkel) sein.

Dennoch lohnt es sich mit der Belichtungszeit bewusst zu arbeiten. Mit einer Kurzzeitbelichtung kann man zum Beispiel Bewegungen „einfrieren“, während man mit der Langzeitbelichtung die Bewegung festhalten kann. Sehr schön kann man das mit Wasser üben bspw. an einem Brunnen oder bei einem Wasserspiel. Ist die Belichtungszeit deutlich kürzer als die Bewegung selbst, wird das Wasser in einem Bruchteil einer Sekunde in der Bewegung festgehalten und es sieht wie erstarrt aus. Abhängig davon wie nah man dem eigentlich fließenden Wasser und wie kurz die Belichtungszeit ist, kann man die einzelnen Tropfen erkennen. Fotografiert man im Gegensatz dazu mit einer Langzeitbelichtung so sieht man die fließende Bewegung. Das zeigt sich in der Form, dass alles was um das Wasser herum ist, scharf ist, während das Wasser milchig und verwischt aussieht. Jetzt ist kein einzelner Tropfen mehr erkennbar, sondern nur die Wassermasse im Ganzen.

Wie kann man Menschen „verschwinden“ lassen mit der Langzeitbelichtung?

Vor allen Dingen für die Architekturfotografie wird der S / Tv-Modus sehr gerne verwendet. Jeder hat schon mal Bilder von Städten gesehen mit leergefegten Straßen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Straßen wirklich leer waren, ohne Autos oder Menschen, geht gegen null. Solche Bilder sind nur umsetzbar mit einer Langzeitbelichtung. Schon eine 30stel Sekunde reicht aus, um von Fußgängern, die über eine Kreuzung gehen, nur noch ihre Schuhe als Schemen erkennen zu lassen. Der Rest vom Menschen ist schon nicht mehr erkennbar. Mit einer noch längeren Belichtungszeit verschwinden auch diese Schemen vollständig. Das gleiche gilt auch für die Autos. Sobald sie länger stehen sind sie wieder sichtbar. Wenn auch die Autos vollständig verschwinden sollen, ist die Belichtungszeit noch weiter zu verlängern.

Menschen "verschwinden" lassen mit Langzeitbelichtung von 8 Sekunden

Menschen „verschwinden“ lassen mit Langzeitbelichtung von 8 Sekunden

Doch ACHTUNG!: Durch eine lange Belichtungszeit wird ein Bild schnell überbelichtet. Um dem entgegen zu wirken, sollte unbedingt ein Neutraldichte- Filter verwendet werden. Diesen erkläre ich im Kapitel externe Ausstattung“ genauer. Kurz zusammengefasst schluckt ein Neutraldichte-Filter Licht, so dass weniger auf den Sensor fällt und das Bild bei einer Langzeitbelichtung nicht überbelichtet wird.

Bei Nacht stellt sich diese Problematik natürlich eher weniger. Bei der Nachtfotografie nutzt man die Langzeitbelichtung, wenn man die Lichter der Autos als leuchtende Linien im Bild festhalten oder auch hier Menschen bspw. vor Sehenswürdigkeiten „verschwinden“ lassen möchte. Mit einer Langzeitbelichtung kommt meistens mehr Dynamik ins Bild.

Leuchtende Autolichterspuren durch Langzeitbelichtung bei Nacht

Leuchtende Autolichterspuren durch Langzeitbelichtung bei Nacht

Welche Belichtungszeit kann man aus der Hand fotografieren?

Als Faustregel gilt: alles was kürzer dauert als 1/50 Sekunde, kann man scharf aus der Hand fotografieren. Für längere Belichtungszeiten sollte ein Stativ oder eine stabile Auflage genutzt werden. Auf Stative gehe ich genauer in ihrem eigenen Kapitel ein.

Wie ihr seht, gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für den S / Tv-Modus. Mit der Belichtungszeit kann man viele Effekte bewusst herbeiführen:

  • Straßen werden menschenleer
  • Wasser fließt
  • leuchtende Autolichter ziehen sich wie ein Band durch das Bild

Die Belichtungszeit lässt sich auch sehr schön im camera simulator Tool anwenden. Hier könnt ihr herausfinden, bei welcher Zeiteinstellung die kleine Windmühle in der Bewegung eingefroren ist und wann sie verschwimmt. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak