Die Tiefenschärfe – Das Hervorheben der Motive

Die Tiefenschärfe, auch Schärfentiefe genannt, wird über die Blendenöffnung geregelt. Damit hat die Blende zwei Funktionen: Die Blende reguliert nicht nur im Zusammenspiel mit der Belichtungszeit wie viel Licht auf den Sensor fällt, sie steuert auch wie groß der Bereich ist, der scharf abgebildet wird. Mit dem Variieren der Schärfentiefe ergeben sich viele künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten.

Was bedeuten die Zahlen im A / Av-Modus

In dem halbautomatischen Programm A / Av (A – Modus für Nikon, Sony & Co. / Av-Modus für Canon Kameras) wird die Öffnung der Blende dazu genutzt, den Bereich der Schärfentiefe festzulegen. Ist die Blende am größten geöffnet, wird nur der kleinste Teil um das Motiv scharfgestellt. Bei den Kameraeinstellungen für die Schärfentiefe ist die kleinste Zahl bspw.:

  • 1,8
  • 2,8
  • 3,4 oder
  • 4,5

Diese Zahlen werden von den Objektiven vorgegeben. Je nachdem wie lichtempfindlich das Objektiv ist, umso kleiner wird die mögliche Blendenzahl. Was bei der Wahl des Objektivs sonst noch zu beachten ist, lest ihr im Kapitel Objektiv. Wenn die größte Blende den kleinsten Bereich der Tiefenschärfe hat, so erhält man den größten Tiefenschärfebereich bei der kleinsten Blendenöffnung und somit bei der größten Blendenzahl. Das heißt, die Schärfentiefe liegt auf dem gesamten Bild von vorne bis hinten. Große Blendenwerte sind bspw. 16 oder auch 22. Vergleichen kann man diesen Effekt auch mit unserem Sehverhalten. Kneifen wir die Augen zusammen, können wir schärfer in die Ferne schauen. Haben wir sie weit geöffnet, ist nur die direkte Stelle, auf die wir schauen, scharfgestellt.

Blendenöffnungen mit dazugehöriger Blendenzahl

Blendenöffnungen mit dazugehöriger Blendenzahl, Quelle: www.fototouren-berlin.de

Was ist Blende 8?

Immer wieder hört man von Blende 8. Doch was heißt das eigentlich? Mit Blende 8 ist der Mittelwert bei der Tiefenschärfe gemeint. Um das Motiv herum ist genug Schärfentiefe auch im direkten Vorder- und Hintergrund. Vergleichbar dazu liegt bei einem kleinen Blendenwert die Tiefenschärfe nur auf dem Motiv selber und bei einem großen Blendenwert auf dem gesamten Bildausschnitt.

Grafik Tiefenschärfe abhängig vom Blendenwert

Grafik Tiefenschärfe abhängig vom Blendenwert, Quelle: foto-kurs.com

Wie nah sollte man an ein Motiv herangehen?

Der Bereich der Tiefenschärfe ist nicht nur von der Blende abhängig, sondern auch vom Abstand der Kamera zum Motiv. Steht man weiter weg, wird auch bei einem kleinen Blendenwert der Bereich der Schärfentiefe größer. Das heißt, es wird mehr vom Vorder- und Hintergrund des Motivs scharf gezeichnet. Je näher man also an das Motiv herangeht, umso kleiner wird die Tiefenschärfe. Somit wird nur die fokussierte Stelle scharf und der Rest verschwimmt. Bei Porträts ist es so möglich, dass bspw. nur ein Auge scharf ist und das andere schon unscharf.

Grafik Tiefenschärfe abhängig vom Abstand zum Motiv

Grafik Tiefenschärfe abhängig vom Abstand zum Motiv, Quelle: foto-kurs.com

Wo kommt die Tiefenschärfe zum Einsatz?

Mit der Tiefenschärfe kann man sehr viele bewusste Bildkompositionen erzeugen. Es ist ein sehr guter Modus, um ein Element einer Szenerie besonders hervorzuheben. Mit dem Schärfepunkt im vorderen Teil wird dieser wie in einer 3D-Ansicht aus dem Bild hervorgeholt, während der Hintergrund verschwimmt. Genau anders herum ist es auch möglich, durch einen verschwommenen Vordergrund den Blick des Betrachters auf den Hintergrund zu lenken.
Die Tiefenschärfe wird sehr häufig in der Makro- und auch Porträtfotografie verwendet, wenn man bspw. eine Blüte oder eine Person vom Hintergrund abheben möchte.

Mit der Tiefenschärfe können wir beeinflussen, wie ein Foto wahrgenommen werden soll. Wir steuern wo der Betrachter hinschaut, indem wir den Bereich der Schärfentiefe vorgeben. Bei einem kleinen Blendenwert wird nur die direkte Umgebung der fokussierten Stelle scharf und der Rest unscharf. Dagegen ist bei einem großen Blendenwert der Tiefenschärfebereich größer und kann auch über den gesamten Bildausschnitt reichen. Wie genau die Tiefenschärfe ein Bild beeinflusst, könnt ihr im camera simulator Tool sehen. Variiert die Schärfentiefe und seht wie der Spielplatz hinter dem Mädchen immer präsenter wird bzw. immer mehr in den Hintergrund rückt.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak