Weißabgleich – Die Farbtemperaturen des Lichts

Bei den Kameraeinstellungen ist der Weißabgleich die Funktion, die die Farbtemperatur des Umgebungslichts misst und die Einstellungen der Kamera dahingehend anpasst. Jeder hat sicherlich schon einmal die Situation erlebt, dass ein Foto im nachträglichen Betrachten irgendwie bläulich oder rötlich aussieht und somit einen Farbstich aufweist. Verantwortlich dafür ist der Weißabgleich. Wie funktioniert er? Wie sieht ein falscher Weißabgleich aus und wie kann man ihn bewusst einsetzen?

Jedes Licht hat eine andere Farbtemperatur, die in Kelvin gemessen wird und die Farbstimmung eines Bildes beeinflusst. Tageslicht hat eine höhere Kelvinzahl und wirkt dadurch wärmer, während Kunstlicht oder Glühbirnen kleinere Kelvinzahlen haben und kühler sind. Neben der umgebenen Lichtsituation können auch farbliche Flächen in der Nähe die Lichtfarbe des Bildes beeinflussen. Ein orangefarbener Vorhang taucht ein Zimmer bei Sonnenlicht beispielsweise in rötliches Licht.

Wie funktioniert der Weißabgleich?

In jeder Kamera ist ein Weißabgleichsmesser integriert und teilt sich in folgende Einstellungen:

Zuordnung Farbtemperaturen zu Weißabgleichfunktionen

Zuordnung Farbtemperaturen zu Weißabgleichfunktionen

Der Standard ist der AWB, der automatische Weißabgleich. Zu 80% macht er seine Arbeit auch richtig. In den anderen 20% kommt es zu einem Farbstich, weil der AWB die Lichtverhältnisse und damit die Farbtemperatur nicht korrekt messen kann. Häufig passiert das in der Dämmerung. Hier lohnt es sich den Weißabgleich selber einzustellen.

Die erste Möglichkeit dafür ist der manuelle Abgleich. Hier wird ein Bild fotografiert, wo eine sogenannte Graukarte / Weißabgleichskarte vor die Kamera gehalten wird. Damit wird der Kamera ein Maß vorgeben, nach der der Weißabgleich für die folgenden Bilder festgelegt wird. Wenn keine Graukarte im Fotozubehör vorhanden ist, kann man sich auch einen weißen Punkt im Motiv suchen oder auch einfach seine eigene Handfläche als Maß nehmen.

Die zweite Variante ist das manuelle Einstellen der Farbtemperatur, indem man die Kelvinzahl selber auswählt und damit den Weißabgleich auf die umliegende Situation anpasst. Hier kann mit dem oben aufgeführten Werten begonnen werden, aber wenn das Ergebnis nicht überzeugt, passt die Kelvinzahl nach euren Belieben an.

Um diese Variante zu vereinfachen, haben die Kameras voreingestellte Einstellungen, die nach den Lichtsituationen benannt sind. Zum einen kann man die passende Farbtemperatur auswählen, wenn man feststellt, dass das Foto einen Farbstich hat. Zum anderen kann man gleich von Anfang an, den passenden Weißabgleich einstellen und so Farbstiche vermeiden.

Den Weißabgleich bewusst einsetzen

Zusätzlich kann der Weißabgleich auch als stilistisches Mittel eingesetzt werden, in dem man die Farbtemperatur bewusst verändert. Setzt man die Lichtfarben gezielt in anderen Lichtsituationen ein, kann man den Bildern einen absichtlichen Farbstich geben, um bspw. eine besondere Stimmung zu erzeugen. Mit der Funktion Schatten zum Beispiel wird das Bild gelblich und wirkt nostalgisch. Mit der Einstellung Kunstlicht wird das Bild bläulich kalt. Rötlich und damit etwas endzeitmäßig wird es bei der Einstellung Glühbirne.

Folgende Lichtwirkung erzeugen die Standardeinstellungen beim Weißabgleich:

  • Sonne: warmer leicht gelblicher Ton
  • Schatten: gelblichen Effekt, für nostalgischen Look
  • Wolken: warmer gelblicher Ton zwischen Sonne und Schatten
  • Kunstlicht: bläulich kühl
  • Glühbirne: rötlich violett

Kurz gefasst, um ein Bild richtig darzustellen lohnt es sich statt des AWB den der Lichtsituation passenden Weißabgleich zu nutzen. Für künstlerische Effekte kann man auch bewusst andere Weißabgleiche wählen, um die Wirkung eines Bildes zu verändern. Damit ist er eine sehr nützliche Funktion bei den Kameraeinstellungen, die auch die Bildwirkung maßgeblich beeinflussen kann.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak