Das Motiv – Was lohnt sich mit der Kamera festzuhalten?

Der allgemeine Ablauf beim Fotografieren ist, man sieht etwas, das man gerne ablichten möchte, nimmt die Kamera und drückt auf den Auslöser. Nicht selten sieht das Foto dann nicht so aus, wie man es erwartet hat und man ist enttäuscht. Um dem entgegenzuwirken kommen hier ein paar Tipps, die bei der Auswahl von einem Motiv zu berücksichtigen sind.

Bei der Auswahl von einem Motiv geht es in erster Linie darum, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Welt dreidimensional ist und es sich auch immer wieder lohnt, den Blick nach oben zu heben.

Was kann man alles fotografieren?

Die Antwort ist einfach: Eigentlich alles, nur nicht immer ungefragt. Manchmal gibt es rechtliche Einschränkungen, auf die ich später noch eingehe. Wichtig ist erst einmal, alles was man sieht und für erinnerungswürdig hält, lohnt sich zu festzuhalten. Hier gibt es kein richtiges oder falsches Motiv, kein gut oder schlecht. Ebenso wenig muss man immer nur schöne Motive festhalten wollen. Was man aufnehmen möchte hat auch immer mit folgender Frage zu tun:

Warum möchte man das Motiv ablichten?

Der Grund, also die Absicht dahinter, ist entscheidend für die Auswahl von einem Motiv. Man kann aus den verschiedensten Gründen etwas fotografieren wollen:

  • Zur Dokumentation
  • Zur Unterhaltung
  • Um eine Stimmung einzufangen
  • Eine Situation festzuhalten
  • Aus künstlerischer Absicht
  • Zum Schockieren und Wachrütteln
  • Zum Nachdenken anregen
  • Und viele mehr

 

Daher macht es Sinn, sich vor dem Fotografieren bewusst zu sein, warum man sich das Motiv ausgesucht hat und was man damit bezwecken möchte. Wenn man sich im Klaren darüber ist, was die Absicht ist, kann man noch einmal prüfen, ob die Absicht auch wirklich wie gewünscht rüber kommt oder ob die Bildkomposition bzw. die Kameraeinstellung noch einmal angepasst werden sollte. Am Anfang wird das Überprüfen vielleicht einen kurzen Moment dauern, aber mit mehr Praxis geht das immer schneller und automatischer.

Was ist bei der Auswahl von einem Motiv zu beachten?

Wie vorhin schon erwähnt, darf man nicht einfach alles fotografieren. Das gilt vor allen Dingen, wenn man Menschen als Motiv auswählen möchte. Mittlerweile wurde das Persönlichkeitsrecht verschärft und so darf jede Person nur mit ihrer Einwilligung fotografiert werden. Ausnahmen davon sind Personen der Zeitgeschichte, wie bspw. Prominente, Angehörige der Königshäuser etc. Für alle anderen Menschen ist deren Einwilligung erforderlich. Diese Einwilligung holt man sich am besten schriftlich. Dafür gibt es einen sogenannten TFP-Vertrag (Time for Print).

Ein TFP-Vertrag ist von beiden Seiten zu unterschreiben und ermächtigt den Fotografen dazu, die Bilder für eigene Zwecke nutzen zu dürfen unter der Prämisse, dass das Foto der fotografierten Person nicht verunstaltet wird. Im Gegenzug dazu stehen dem Model, geregelt durch den TFP-Vertrag, alle Fotos zu und kann sie ebenfalls mit Angabe des Fotografen nutzen. Das Model hat immer das Recht zu entscheiden, wie und wo der Fotograf das von sich geschossene Foto nutzen und veröffentlichen darf, während der Fotograf immer das Recht hat zu entscheiden, welche Angaben zum Fotografen das Model bei Veröffentlichung des Bildes machen muss.

So sichern sich beide Parteien in dem TFP-Vertrag ab, dass Bilder nicht unrechtmäßig veröffentlicht werden. Es empfiehlt sich, immer ein paar Exemplare von einem TFP-Vertrag bei einer Tour dabei zu haben. Ein Muster von einem einfachen, aber ausreichenden TFP-Vertrag findet ihr hier zum kostenfreien Download. TFP-Mustervertrag

Durch die Verschärfung des Persönlichkeitsrechtes müssen mittlerweile alle Personen ihre Einwilligung geben, die auf dem Bild erkennbar sind. Große Menschenmengen, die weit genug weg sind, wo es nicht möglich ist, einzelne Menschen darauf zu erkennen, können also auch ohne Einwilligungen, sprich ohne einen TFP-Vertrag, fotografiert und veröffentlicht werden. Das gilt auch wenn Personen nur von hinten zu sehen sind.

Tiefenschärfe beim Karneval der Kulturen Berlin

Tiefenschärfe beim Karneval der Kulturen Berlin

Wichtig ist hier zu unterscheiden, was mit den Bildern gemacht werden soll. Wenn man die Fotos nur für die private Nutzung haben möchte, ohne eine Veröffentlichung zu planen, darf man mehr fotografieren auch ohne Einwilligung. Aber sobald Bilder veröffentlicht werden sollen, darunter wird auch schon das Posten in Facebook verstanden, müssen die Einverständniserklärungen der zu erkennenden Personen vorliegen.

Ganz vorsichtig in heutigen Zeiten sollte man sein, wenn Kinder als Motiv gewählt werden. Hier ist unbedingt das schriftliche Einverständnis der Eltern in Form von einem TFP-Vertrag einzuholen. Auch wenn man sich mit einer Kamera einem Spielplatz nähert, ist es ratsam seine Absichten mitzuteilen und die Eltern am besten um schriftliche Erlaubnis zu fragen, sonst ist es schnell möglich, dass die Fototour zu einem jähen Ende kommt und man sich irgendwelchen Polizisten erklären muss.

Wichtig ist also die Wahrung der Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild zu wahren. Bei Personen der Zeitgeschichte gilt das wie bereits erwähnt nur eingeschränkt.

Was ist bei Sightseeingtouren zu beachten?

Wenn man unterwegs ist und die üblichen Sehenswürdigkeiten fotografieren möchte, ist es fast unmöglich keine Menschen mit auf das Foto zu bekommen. Hier ist die Rechtsprechung etwas schwammig: Man darf die Menschen fotografieren, wenn sie nur als Beiwerk auf dem Bild sind und das Motiv auch ohne sie genauso aussehen würde. Wenn möglich sollte man aber auch in solchen Situationen versuchen zu vermeiden, dass Menschen mit auf dem Foto erkennbar sind. Eine Variante ist bspw. Personen von hinten aufzunehmen. Eine andere ist mit einer langen Belichtungszeit die Menschen „verschwinden“ zu lassen.

Langzeitbelichtung von der Rückseite des Berliner Doms bei Nacht

Langzeitbelichtung von der Rückseite des Berliner Doms bei Nacht

Was kann ich tun, wenn ich ein Bild von mir im Internet finde?

Wenn von einem unerlaubt Bilder im Internet auftauchen, die nicht erwünscht sind, sollte man als erstes versuchen, denjenigen zu kontaktieren, der die Fotos veröffentlicht hat und ihn bitten, die Bilder von der Seite runterzunehmen. Sollte dieser dem nicht nachkommen bzw. der Herausgeber nicht zu ermitteln sein, kann rechtlich dagegen vorgegangen werden. Hierzu kann ein Anwalt genauere Auskunft geben.

Privatbesitz & Polizei

Polizisten oder andere Staatsbeamte und ihre Fahrzeuge sollten nicht als Motiv werden. Eine Frau hatte es versucht und ein Bild gepostet, das ein Polizeiauto beim Falschparken zeigt. Auf ihr Posten folgte ein saftiger Bußgeldbescheid. Daher lieber solche Fotos nicht veröffentlichen.

Auch was fremder Privatbesitz ist, sollte nur nach Einwilligung des Eigentümers als Motiv gewählt werden. Bspw. mögen Ladenbesitzer es im Allgemeinen nicht, wenn man ihre Schaufenster ungefragt fotografiert, oder die Dekoration auf einem Stand an einem Festival ohne Erlaubnis ablichtet. Hier hilft direkte Kommunikation. Ein kurzes Anfragen reicht meistens, die Erlaubnis zu erhalten, erst recht, wenn man den Shopnamen lesen kann oder der Standname mit dem Bild bekanntgegeben wird. Auch hier lohnt sich ein TFP-Vertrag, wenn die Veröffentlichung des Bildes geplant ist.

Allgemein sollte man offen auf andere zugehen und sie vorher fragen, ob man sie oder ihren Besitz fotografieren darf. Hilfreich ist ebenfalls anzugeben, wofür man das Foto verwenden möchte und dem anderen einen Nutzen dafür aufzuzeigen. Die wenigsten sagen dann nein und man hat das gewünschte Motiv. Um auf Nummer sicher zu gehen, hilft ein gemeinsam unterschriebener TFP-Vertrag, um sich gegen rechtliche Anfeindungen abzusichern. Ansonsten kann alles, was einem vor die Linse kommt, als Motiv genutzt werden.

Wie das gewählte Motiv dann noch richtig in Szene gesetzt werden kann, folgt im Kapitel Bildkomposition.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak