Bildkomposition – Wie setzt man das Motiv richtig in Szene?

Man weiß wie die Kamera richtig eingestellt wird, was man warum fotografieren möchte und dennoch sieht das Ergebnis immer noch nicht so aus, wie geplant? Woran kann das liegen? Was fehlt noch für das perfekte Foto? Im Kapitel Bildkomposition geht es genau darum zu klären, was beim Fotografieren noch beachtet werden sollte.

Bei der Bildkomposition ist nicht wichtig, wie teuer die Kamera ist oder wie viel Equipment man dabei hat. Selbst mit simplen Handykameras können die Motive ins richtige Licht gesetzt und der richtige Bildausschnitt gefunden werden. Es folgen die 10 wichtigsten Tipps, was bei der Bildgestaltung beachtet werden sollte.

1. Tipp zur Bildkomposition: Das Motiv aus der Mitte nehmen

Ein Objekt oder Person genau in der Mitte zu zentrieren ist nur sinnvoll, wenn es darum geht, eine bestimmte Symmetrie darzustellen. In der Architektur ist es ein gern genommenes stilistisches Element. Für alle anderen Situationen ist es in der Bildgestaltung wirkungsvoller das Hauptmotiv etwas seitlich aus der Mitte rauszunehmen. Es erzeugt mehr Dynamik im Bild. Wenn es sich um eine Person handelt ist es ansprechender, wenn die Person ins Bild reinschaut statt raus. Allerdings kann man sich auch bewusst für die Variante aus dem Bild rausschauen entscheiden, wenn damit eine bestimmte Absicht verfolgt wird bspw. eine gewisse Stimmung verstärken soll.

2. Empfehlung zur Bildkomposition: Auf den Hintergrund achten

Wie häufig sieht man Bilder mit einem wunderschönen Motiv, wo der falsche Hintergrund das ganze Foto versaut? Leider viel zu häufig.

  • Das kann Müll sein, der sich hinter dem Hauptmotiv stapelt
  • ein Ast, der der Person quasi aus dem Kopf wächst
  • eine mit Graffiti besprühte Wand
  • eine Baustelle
  • störende Verkehrsschilder
  • oder unpassende andere Details der Umgebung

In jedem Fall stört es beim anschließenden Betrachten. Daher immer die Augen auf und auch die Umgebung des Motivs mit berücksichtigen. Hintergründe sollten bewusst gewählt werden, abhängig von der beabsichtigten Bildwirkung. Sind störende Elemente im Hintergrund nicht zu vermeiden, kann man mit kleinen Maßnahmen die Bildkomposition für seine Zwecke anpassen: Dazu gehört unter anderem sich etwas anders zum Objekt zu positionieren und damit den Bildausschnitt zu verändern, die Perspektive zu variieren oder mit der Tiefenschärfe den Hintergrund auszublenden.

3. Hinweis zur Bildkomposition: Der Goldene Schnitt / die Drittelregel anwenden

Die Drittelregel und der Goldene Schnitt meinen beiden das gleiche. Früher wurde der Begriff der Goldene Schnitt häufiger verwendet, heute ist die Bezeichnung Drittelregel populärer. Der Goldene Schnitt / die Drittelregel teilt euer Bild vertikal wie auch horizontal in jeweils drei Abschnitte. Ihr erhaltet so 9 Bereiche. Bei der Bildgestaltung schiebt das Hauptmotiv auf den imaginären Linien entlang und variiert so den Bildausschnitt. Durch die Drittelregel / den Goldenen Schnitt kommt das Objekt automatisch aus der Mitte raus und man erzielt neue Bildwirkungen.

Ebenso wenn ihr Landschaften fotografiert, könnt ihr mit dem Goldenen Schnitt / der Drittelregel spielen. Setzt den Horizont auf eine der Linien und der Bildausschnitt verändert seine Wirkung. Der Goldene Schnitt / die Drittelregel kann man ebenfalls bei dem 2:1 Verhältnis anwenden. Dabei wird das Bild bei der Bildgestaltung so aufgeteilt, das 2/3 einen ähnlichen Bildausschnitt haben und 1/3 einen anderen. Fotografiert man beispielsweise das Meer, dann könnten 2/3 das Meer sein und 1/3 der Himmel oder Strand oder wo in dem 1/3 ein Boot zu sehen ist. Hat man vor sich einen See mit Bäumen oder Bergen dahinter oder mit einer Wiese davor, bringt auch hier die Drittelregel / der Goldene Schnitt das ansprechendste Ergebnis. Diese Beispiele könnte man jetzt beliebig fortführen. Tatsache ist, dass der Goldene Schnitt / die Drittelregel die Bildwirkung durch die 3er Aufteilung beeinflussen kann und das Bild damit mehr Dynamik erhält. Darum sollte man vor dem Auslösen sich die Zeit nehmen das Hauptmotiv ansprechend unter der Zuhilfenahme der Drittelregel / dem Goldenen Schnitt zu positionieren und die Bildgestaltung bewusst vorzunehmen.

4. Empfehlung zur Bildkomposition: Perspektivische Linien (Fluchten) ins Bild laufen lassen

Bei sehr vielen Motiven gibt es Fluchten, die ins Bild laufen. Das Foto wirkt für den Betrachter besser, wenn diese Fluchten genau aus den Ecken kommen. Unser Auge ist auf Symmetrie gepolt und möchte das bei allem, was wir sehen, anwenden. Das trifft auch bei der Bildgestaltung von Fotos zu. Daher sind uns die Bilder, wo die Fluchten aus den Ecken kommen, angenehmer zum Ansehen und sprechen uns mehr an. Das kann man ganz einfach probieren und den Bildausschnitt so anpassen, dass einmal die Fluchten aus den Ecken laufen und einmal mit versetzen Fluchten. Beim Betrachten wird man dann den Unterschied sehen.

5. Tipp zur Bildkomposition: Perspektiven ausprobieren

Ein Motiv frontal auf Augenhöhe zu fotografieren ist der Standard. Es lohnt sich jedoch bei vielen Motiven den Blickwinkel zu variieren. Eine Möglichkeit ist die sogenannte Froschperspektive. Das heißt, man fotografiert von unten nach oben. Dadurch wirken Motive größer und man kann den Vordergrund als Mittel der Bildgestaltung mit einbauen. Man führt den Blick des Betrachters somit gezielt in eine Richtung. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass das, was am nächsten an der Linse ist, auch am größten dargestellt wird. So zum Beispiel wenn ein Freund oder Freundin auf der Couch liegt und ihr von den Füßen zum Gesicht zielt, sind die Füße riesig und der Rest wird immer kleiner. Aus der richtigen Perspektive sind die Füße sogar so groß wie der Oberkörper weiter weg. Das kann in manchen Situationen Absicht sein, aber wenn nicht, empfiehlt es sich, den Bildausschnitt zu ändern und den Vordergrund in ein passendes Größenverhältnis zu bringen.

Im Gegensatz zur Froschperspektive gibt es noch die Perspektive von oben. Diese Perspektive von oben ermöglicht es, einen Gegenstand oder eine Person kleiner darzustellen oder in ein anderes Verhältnis zur restlichen Umgebung zu setzen. Gerne wird diese Perspektiven beim Model Shooting verwendet. Von unten werden es Endlosbeine und von oben gibt es einen schönen gestreckten Hals, wenn das Model nach oben schaut.

Ansonsten lohnt es sich bei der Bildgestaltung auch kreative Perspektiven zu finden, wie zum Beispiel, wenn man durch etwas hindurch fotografiert. Ein interessanter Bildausschnitt lässt ein Foto ansprechender wirken.

6. Vorschlag zur Bildkomposition: Quer zur Sonne

Wie wir wissen, scheint die Sonne sehr hell. Die klassischen Fehler sind:

  1. Der Fotografierende setzt das Model vor die Sonne und fotografiert gegen das Sonnenlicht. Die Folge ist im Allgemeinen, dass das Hauptmotiv unterbelichtet und damit zu dunkel ist. Allerdings bekommt das Motiv wie einen Heiligenschein, wenn es von hinten angestrahlt wird.
  2. Der Fotografierende hat die Sonne im Rücken und das Model wird geblendet. Der reflexartige Effekt des Models ist, die Augen zusammenzugreifen. Das sieht auf den Bildern dann ziemlich unschön aus.

Die Lösung ist das Objekt bei der Bildgestaltung quer zur Sonne zu positionieren. Damit werden schöne Licht- und Schattenspiele erzeugt und das Motiv erhält mehr Tiefe. Mit Streiflicht im Bildausschnitt kann man sehr schöne Effekte erzielen.

7. Empfehlung zur Bildkomposition: Nutzt Spiegelungen

Statt ein Hauptmotiv direkt zu fotografieren, kann man manchmal auch nur sein Spiegelbild als Bildausschnitt wählen. Damit kann die Wirkung des Motivs noch verstärkt werden oder auch den Betrachter dazu bringen, sich genauer mit dem Foto zu beschäftigen, da er nicht sofort erkennt, was er eigentlich sieht. Spiegelungen können aber auch Kontraste aufzeigen, beispielweise wenn man ein altes historisches Gebäude in der modernen Glasfassade eines gegenüberliegenden Gebäudes fotografiert. Spiegelungen können also hervorragend zur künstlerischen Bildgestaltung eingesetzt werden, mit dem die Bildwirkung verändert, verstärkt oder auch durch Kontraste hervorgehoben werden können.

8. Hinweis zur Bildkomposition: Stürzende Linien vermeiden

Wenn man zu nah an einem Objekt ist und die Kamera nach oben kippen muss, um es im gesamten aufnehmen zu können, sieht es so aus, als ob die seitlichen Linien nach oben zusammenlaufen. Das nennt man dann stürzende Linien. Genauso laufen die Linien nach unten zusammen, wenn man die Kamera nach unten kippen muss. Diesen Effekt kann man zur Bildgestaltung bewusst nutzen, aber meistens ist er unerwünscht. Das Problem umgeht man, wenn man bei dem Bildausschnitt die Kamera gerade nach vorne hält und sie nicht nach oben oder unten kippen muss. Der Nachteil ist, dass schafft man nur, wenn man weit genug vom Objekt entfernt ist oder den richtigen Blickwinkel bzw. Perspektive findet.

Vor allen Dingen ist der richtige Abstand in der Stadt bei der Architekturfotografie schwer umzusetzen, da meistens andere Gebäude den Abstand begrenzen. Hier hilft dann meistens nur die Nachbearbeitung um die stürzenden Linien wieder auszugleichen. Hier noch ein kleiner Hinweis bei der Bearbeitung: Beim perspektivischen Verändern der Linien, die breiteste Stelle auf die schmalste Stelle zusammenschieben und nicht die schmalste Stelle auseinander ziehen. Beim Zusammenschieben bleibt die Schärfe erhalten, was beim Auseinanderziehen nicht der Fall wäre, da hier die Lücken zwischen den Pixeln aufgefüllt werden müssen und es dadurch zur Unschärfe des Bildes kommt.

9. Vorschlag zur Bildkomposition: Achte auf den passenden Bildausschnitt bzw. Anschnitt

Leider viel zu häufig sieht man Fotos auf denen eine oder mehrere Personen zu sehen sind mit abgeschnittenen Füßen aber die Hälfte des Bildes über dem Kopf zeigt ganz viel Himmel. Oder eine Person ist nur auf der unteren Hälfte des Fotos zu sehen und in der anderen Hälfte ebenfalls nichtssagender oder unnötiger Hintergrund. Ebenfalls auch ganz häufig zu finden ist der Bildausschnitt, wenn der Kopf des Models direkt an der Oberkante endet und kein Abstand zur Kante berücksichtigt wurde. Solche Beispiele gibt es viele und in jedem Fall wurde nicht auf den richtigen Bildausschnitt geachtet. Das sieht dann auf den Bildern auch nicht ansprechend aus.

Das Objekt sollte im Allgemeinen komplett aufgenommen werden und auch den Großteil des Bildes ausmachen. Ausnahmen sind, wenn man durch bestimmte Anschnitte für eine gezielte Bildwirkung sorgen möchte. Bei Porträts wird es gerne zur Bildgestaltung genutzt, sodass nur ein Teil des Gesichtes oder auch sogar nur ein Auge fotografiert wird. Hier ist wichtig zu klären, was mit dem Bild erreicht werden soll und durch Ausprobieren lernen, welcher Bildausschnitt / Anschnitt welche Wirkung erzielt.

Bildkomposition mit beabsichtigten Bildanschnitt von einem Gesicht

Bildkomposition mit beabsichtigten Bildanschnitt vom Gesicht von Leila Yuliyah

Bei Urlaubsbildern sieht man auch häufig Fehler beim Fotografieren von Menschen vor Sehenswürdigkeiten. Die Person ist meist zu klein oder auch mit abgeschnittenen Füßen zu sehen. Hier sollte man sich klar werden, was will man fotografieren? Geht es nur um die Sehenswürdigkeit? Dann würde auch ein Foto ohne eine Person davor reichen. Oder geht es bei der Bildgestaltung darum, die Person mit der Sehenswürdigkeit in Einklang zu bringen? Dann nutzt einen kreativen Bildausschnitt, arbeitet mit unterschiedlichen Perspektiven, lasst die Personen etwas lustiges oder dynamisches mit der Sehenswürdigkeit tun, wie beispielsweise versuchen den schiefen Turm von Pisa wieder gerade zu richten oder sich am Eiffelturm anzulehnen usw. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Manchmal lohnt es sich auch, sich etwas von der Sehenswürdigkeit zu entfernen, um die Person besser in Szene dazu setzen zu können.

10. Rat zur Bildkomposition: Gebt dem Hauptmotiv einen Vorder- oder Hintergrund

Ein Motiv kann interessanter wirken, wenn man ihm bei der Bildgestaltung einen interessanten Vorder- oder Hintergrund gibt. Nur als Bildausschnitt das Motiv zu wählen, ohne es in einen Kontext zu setzen, kann die Wirkung des Motivs schmälern. Bei der Wahl des Vorder- und Hintergrundes kann auch die Perspektive eine entscheidende Rolle spielen. So zum Beispiel geben Pflastersteine einer Straße einen besonderen Effekt und leiten den Blick zum Hauptmotiv, dem Haus, das an der Straße steht.

Allgemein gilt: Schaut bei der Bildgestaltung nicht nur durch den Sucher, sondern erkennt auch was ihr seht und passt den Bildausschnitt bewusst an. Dann könnt ihr mit den oben genannten Tipps durch gezielte Bildkomposition und Bildgestaltung wunderschöne Bilder machen. Wichtig ist nicht nur das Hauptmotiv wahrzunehmen sondern auch seine Umgebung. Eine gute Bildgestaltung lohnt sich bei jedem Bild, das ihr macht, sei es mit einer Spiegelreflexkamera oder auch nur bei Schnappschüssen mit euren Handykameras. So macht ihr Bilder, die ihr euch gerne wieder anseht und die sich lohnen, mit anderen zu teilen.

Bei regelmäßiger Praxis gehen die Tipps bald ins Unterbewusstsein über und die Bildgestaltung geht dann bald ganz intuitiv wie von selber. Zum Vergleich könnt ihr den Bildausschnitt in zwei Varianten auswählen, einmal bewusst mit den aufgelisteten Tipps und einmal falsch in Szene gesetzt. Im direkten Vergleich sieht man dann schneller die unterschiedliche Wirkung. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Bildquellen: alle Fotos von Katharina Knaak